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Diese Geschichte behandelt das Thema Mensch und Maschine, basierend auf einer Idee, die sich unsere Gruppe ausgedacht hat. Dabei wurde versucht dem Schreibstil und den Grundgedanken Philip K. Dick’s treu zu bleiben. Viel Spaß!
 

Vom Zetern der Sterne
By Denis Kaleev

Im schnellen Takt des mechanischen Herzens bahnte sich warmes klebriges Blut einen Weg durch das Labyrinth aus Knochen, Kabeln, Drähten, Ventilen, dazwischen irgendwo Kristalle, die das Metall bedeckten und in organischer Haut verpackt waren. Die gläsernen kalten Augen von Detective Clint Grusso starrten das Ding an. Es schwitzte. Schweißperlen glitzerten im düsteren halbblau des Verhörraumes auf der Stirn und nervös trommelte Es mit den Fingerkuppen auf dem Plastikbildschirm des Tisches. Es hatte eindeutig etwas zu verbergen.

>>Willst du mir nicht verraten, wie du heißt? <<, durchbrach Grusso’s harte Stimme das Schweigen. >>Nein? Gut dann nenn ich dich „Bob“. << Grusso stolzierte um den Häftling herum. >>Bob, verrate mir doch, wieso du zwei Menschen getötet hast?<<
Stille. Es sagte nichts, saß nur da und verschwendete Luft.

>>Lass dir von mir ein paar Aufnahmen vom Tatort zeigen. <<, sagte Grusso, ging dabei zum Tisch hinüber und tippte auf den Bildschirm. Ein paar Bilder erschienen, er drehte die Grafik um und schob sie Es zu. Es betrachtete die Leichen kurz und blickte dann mit einer Mine des Entsetzens weg.

>>Der erste Mann hat sich versündigt. Er musste sterben. <<, sagte Es mit ruhiger Stimme. Grusso trat vom Tisch zurück und verschränkte die Arme vor seiner Brust.

>>Und wie hat er das geschafft? Woher willst Du überhaupt wissen, was Sünde ist? <<

>>Dieser Mann hat geweihten Boden betreten, mich und meine Gebetsbrüder gestört. Er hat uns mit einer langen Vaproklinge bedroht und wollte sie einsetzen, wenn wir nicht verschwinden würden. Er hat unsere Religion verpönt. <<

>>Blechdose, du hast zwei Menschen auf dem Gewissen! Einer davon war mein Partner und du erklärst mir jetzt, dass es eine göttliche Handlung war? Hat dir das dein Gott etwa befohlen? Ist das euer religiöser Weg? <<, fuhr ihn Grusso wutentbrannt an.

>>Wir alle sehen irgendwann Gottes Licht und alle Gebete werden erhört. Gott hat mich durch schwierige Zeiten gebracht. Es war bisher immer der richtige Weg. Auch Sie könnten zu ihm finden. Es ist nie zu spät Gott um Verzeihung zu bitten. <<

>>Von welchem Gott sprichst du? <<, fragte Grusso mit argwöhnischem Lächeln.

>>Die Menschen haben in ihren Herzen einen großen Platz für ihren Glauben. Dabei darf man nicht vergessen, dass es unser Glauben ist, meiner, sowohl auch ihrer. Wir sind alle seine Kinder. <<

Grusso schlug mit geballter Faust auf den Tisch. Der eingebaute Bildschirm flackerte kurz auf und erlosch dann endgültig. Er war in Rage und schrie Es an. >>Du bist eine Maschine, eine Attrappe eines Menschen, schon vergessen, du hast keine Seele! Ihr seid keine Menschen, ihr werdet es nie sein! <<

>>Nein, dass stimmt nicht. Sehen Sie... << Es hob flehend seine Arme empor. >>Meine Hände schwitzen, meine Adern pochen, mein Inneres ähnelt sehr dem ihren. Wir sind gleich. <<

>>Halt dein verfluchtes Maul, Blechbüchse! Du hast meinen Partner getötet! Er hinterlässt zwei Kinder, die ihren Vater nie wieder sehen werden! << Grusso zog seine Waffe aus dem Holster. Er richtete sie auf ihn. Hass, Schweiß und Tränen zierten sein Haupt. >>Sie sind tot! Willst du wissen, wie sich das anfühlt, du Nichts?! Du verdammte Maschine! << Es blieb ruhig weiter sitzen.

>>Wenn Sie mich jetzt erschießen, werde ich meine unsterbliche Seele Gott anvertrauen.<<, sagte es mit kalter kalkulierter Stimme. Grusso beobachtete Es mit der Waffe im Anschlag. Seine Hand zitterte. Die Maschine schloss die Augen und betete. >>Und ich bin nicht mehr als eine Stimme in diesem Universum. Und mein Schöpfer muss sich verbeugen und gut lauschen, um zu vernehmen, wie diese Stimme klagt. Er möge sich meiner Seele erbarmen und sie in Gottes Reich aufnehmen.  <<

Grusso zog den Abzug des kalten Metalls in seiner Hand durch. Die Welt zerbrach, das Blut spritzte durch den Raum und noch bevor Es auf dem Boden aufschlug, schwang die Tür zum Verhörraum auf. Jemand oder Etwas in einem schwarzen Anzug trat ein und verriegelte die Tür hinter sich.

Detective Clint Grusso versuchte die Gestalt mit seinem Polizeigespür einzuordnen, die Körperhaltung, den Grad der Bedrohung und seine Gesichtszüge. Aber da waren keine Gesichtszüge, denn dieses etwas besaß kein Gesicht, nur eine undeutliche Masse, als hätte jemand ein Foto geschossen und den Focus vergessen einzustellen oder als würde man mit Absicht seinen Kopf so schnell hin und her bewegen, dass man ihn nicht mehr erkennen konnte. Grusso kniff die Augen fest zusammen, vielleicht war alles nur ein Traum? Er hoffte es so sehr. Er öffnete die Augenlider. Die Gestalt war noch immer da.

>>Wer sind Sie? <<

Plötzlich tönte ein bebendes Geräusch, die Antwort, so laut, dass die Realität nach Hilfe schrie. Grusso musste sich die Ohren zuhalten. Die Wände bekamen Risse. Wasserrinnsale sprudelten heraus. Immer mehr Wasser. Es vermischte sich mit dem künstlichen Blut der Leiche. Der Anblick war abstoßend, Grusso wendete sich ab und wollte den Raum verlassen. Er schritt schnell auf den Ausgang zu, aber der gesichtslose Fremde blieb vor der Tür stehen und ließ ihn nicht passieren. Grusso schlug dem Fremden in die Magengegend. Es fühlte sich an, als hätte er gegen eine Wand geschlagen. Die Gestalt rührte sich nicht. Grusso legte die Hände flach gegen dessen Brust und versuchte ihn wegzuschieben. Erfolglos. Dann trat er einen Schritt zurück und richtete seine Waffe auf den Fremden. Während der Raum von immer mehr Wasser geflutet wurde, rührte sich das Ding weiterhin nicht.

>>Weg da! << Keine Regung. Grusso drückte ab. Die Kugel flog durch den Körper hindurch und blieb in der Tür stecken. Anscheinend war der Fremde nicht real. Entrüstet warf Grusso die Waffe weg. Das Wasser ging ihm schon bis zu den Hüften. Er watete durch den Raum und suchte verzweifelt nach einem anderen Ausweg. Keine Fenster und keine Luftschächte.

Das Wasser stand nun so hoch, dass Grusso schwimmen musste. Die Decke kam näher. Der Fremde befand sich unter Wasser, bewegte sich keinen Zentimeter und beobachtete ihn. Er schien nicht zu atmen. Grusso’s vor Angst verzerrte Visage berührt die Deckenbeleuchtung. Er schaffte es gerade noch tief einzuatmen, sein letzter Atemzug. Dann kaltes Wasser in den Lungen und ewige Finsternis.

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Watteähnliche, stählerne Wolken mühten sich über den simulierten Nachmittagshimmel des Raumgleiters X-241. Der künstliche Himmel erstreckte sich über das ganze Deck und ließ die Astronauten nicht vergessen, wie ein Sonnenuntergang aussah. Clint Grusso öffnete die Augen und erstarrte, seine Angst war verschwunden, wenn auch nur für kurze Zeit. Der Fremde stand nun direkt vor ihm, aber diesmal besaß er ein Gesicht. Grusso hatte es schon so oft gesehen, dass es ihn in seinen Träumen verfolgte. Ein Antlitz, das viele Robotics dieser Bauserie besaßen, die für die Sicherheit dieses Raumgleiters verantwortlich waren. Es sprach zu ihm mit menschlicher sanfter Stimme.

>>Wahrscheinlichkeitssimulation beendet. Dr. Clint Henry Grusso, Sie haben sich des Mordes an einem Robotic schuldig gemacht. Wir haben ihnen ein Szenario simuliert, indem Sie Gnade walten hätten können. Aber auch diesmal haben Sie einen Robotic getötet. Der Hass gegen unsere Art ist tief  in ihnen verankert und kann nicht geheilt werden. Sie können und wollen nicht mit Robotics ko-existieren. Laut Mensch-Robotic Gesetzbuch sind Sie nicht fähig weiterhin in dieser Gesellschaft zu leben. Deswegen wird an ihnen die Prozedur der Löschung vorgenommen. Sie werden exekutiert. Danke für ihre Zeit und einen schönen Tag noch. << Die Metallklammern, die seine Handgelenke und Fußknöchel auf dem Simulationssitz umschlossen, öffneten sich. Grusso stürmte los, wurde aber sofort von zwei Wachrobotics abgefangen und bewusstlos geschlagen.

Dunkel und verzerrt wachte er irgendwo auf. Grusso war splitterfaser nackt. Er ließ seine Augen forschend durch den Raum wandern. Er befand sich in einer Druckschleuse, die jeder Raumgleiter besaß, damit andere Schiffe andocken konnten. Uniformierte Robotics und Menschen beobachten ihn durch ein panoramagroßes Sicherheitsglas.

>>Dr. Grusso, die Prozedur der Löschung wird gleich an ihnen durchgeführt. Wenn sich die Schleusentür neben ihnen öffnet, werden Sie in den Weltraum hinausgesaugt. Keine Sorge, Sie werden nicht lange leiden müssen. Haben Sie einen Wunsch oder möchten Sie noch letzte Worte sprechen? <<, sagte die freundliche Stimme einer attraktiven Frau Anfang dreißig über die Gegensprechanlage.

Grusso’s Blick der Furcht veränderte sich. Alles niederwalzender Hass funkelte aus seinen Augen. Ungewöhnliche Ruhe umgab ihn, zum ersten Mal in seinem Leben. >>Ich bereue nichts. Ich hab mich nie lebendiger gefühlt, als ich diesem Robotic eine Kugel ins Hirn jagte. Es fühlte sich so einfach richtig an. Robotics regieren die Menschen und was machen wir? Wir ordnen uns ihnen unter, weil wir Angst davor haben uns zu erheben. Ich sterbe heute, aber ich sterbe als der Mensch, der ich immer war. Ich sterbe in Freiheit. <<

Die Druckschleusentür öffnete sich. Sauerstoff und ein zappelnder Grusso wurden hinausgesaugt. Bizarre Kälte des Weltraums verschlang ihn. Für einen kurzen Augenblick verspürte er Glückseeligkeit und einen triumphalen Sieg über die Maschinen. Von irgendwo drang leise Jazzmusik zu ihm, die sein Vater früher oft gespielt hatte. Träumte er?

Er beobachtete die Sterne. Sie waren so klar zu erkennen, so wunderschön. Diesmal war nichts zwischen ihm und dem funkelndem Sternenteppich, keine Menschen, keine Robotics, keine Raumgleiterfenster oder entstellte Kraftfelder, nur er und sie. Dann war da kein Sauerstoff, albtraumhafte Panik, müder Schmerz und schließlich ein ewiger Schlaf in den Weiten des Nichts.

Die Sterne beobachteten ihn, sie schienen traurig zu sein, fast konnte er ihr Jammern hören, denn sie entfernten sich von ihm. Nur noch die einsamen Sonnenstrahlen eines fernen Himmelgestirns spendeten dem gefrorenem Leib Trost und melodische Stille summte das Jazzlied zu ende.

24.5.09 23:03
 


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